„Auf der Rennstrecke haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.“

Sobald Robert Liebfart zur Rennstrecke fährt, wird er zu robbox. Die Startnummer #67 ist sein Markenzeichen. Mindestens sechs Mal im Jahr passiert das. Ein Interview.Der 50-Jährige ist Hobbypilot und fährt mit einer BMW R 1200S schon seit acht Jahren bei der privat organisierten Motorradrennserie BMW Boxercup. Ein Rückblick auf eine erfolgreiche Saison, die in einem dritten Platz in der Gesamtwertung resultierte. Zum zweiten Mal in Folge.

Wir haben den Slovakiaring hinter uns gelassen und sind gerade kurz nach Wien. Das bedeutet noch mehr als 400 km vor uns, bis zum Zuhause von Robert Liebfart in Eichenried im Münchener Norden. Die perfekte Chance für ein Interview.

Robert, Du hast soeben das finale Rennwochenende 2017 absolviert. Welche Eindrücke begleiten Dich auf Deinem Weg?
Ich fahre mit sehr positiven Gefühlen nach Hause. Es war eine spannende, abwechslungsreiche, um nicht zu sagen, dramatische Saison.

Dramatisch?
Im Vergleich zur vergangenen Saison ist die Leistungsdichte extrem gestiegen. An der Spitze und im vorderen Feld kämpfen einige Fahrer in sehr knappen Zeitabständen. Vor einem Rennwochenende konnte nie gesagt werden, wer an welcher Stelle auf dem Podium stehen wird, wer gewinnt oder wer das Feld von hinten aufrollt. Da gab es erfahrene Fahrer genauso wie Rookies, die vorne mitgemischt haben.

War Dein letztes Rennwochenende am Slovakiaring ein Spiegel der Höhen und Tiefen des Sports?
Sportlich erfolgreich war ich auf alle Fälle, weil ich bei wechselnden Bedingungen, also bei nasser und trockener Fahrbahn, eine gute Zeit im Qualifying gefahren bin. Die ist wichtig für einen guten Startplatz und der wiederum für ein gutes Ergebnis in einem Sprintrennen. Das Hochgefühl wird von Enttäuschung abgelöst, wenn man am nächsten Tag voller Selbstvertrauen auf die Strecke geht und bei widrigen Bedingungen sich nach wenigen Kurven dann im Kiesbett wiederfindet. Der erste Sturz nach drei Jahren am letzten Tag der aktuellen Saison. Ohne Verletzungen zum Glück.

An was wirst Du im Jahr 2017 zurückdenken?
Ich habe noch nie mit so vielen verschiedenen Fahrern in einer Saison um Platzierungen gekämpft. Noch dazu auf vielen unterschiedlichen Strecken. Ein erneuter Beweis für die Leistungsdichte. Es hat richtig Spaß gemacht.

Wie müssen wir uns den typischen Boxerfahrer vorstellen?
Den gibt es nicht. Auf der Rennstrecke haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, da eine BMW Boxer nicht die klassische Rennmaschine darstellt. Wir sind eine durchaus spezielle Truppe, die sich vom Mainstream abhebt.

Nun macht ja der Hersteller BMW Motorrad das Thema Boxercup wieder zu seinem. Was steckt dahinter?
Ich verfolge das Thema sehr interessiert, es ist allerdings schwierig, sich zum aktuellen Zeitpunkt eine Meinung zu bilden. Vieles ist noch offen. Eine Teilnahme bei so einem Cup ist vergleichsweise hochpreisig und vermutlich nicht für Hobbyfahrer gedacht. Bei uns hier kann jeder mitfahren, der ein BMW Boxer Motorrad hat. Wir sind offen für neue Racer.

Wodurch unterscheidet sich eine BMW Boxer von üblichen Rennmotorrädern?
Die Charakteristik ist eine eigene und schon an der Zylinder-Anordnung im 180°-Winkel erkennbar. Das begrenzt die Schräglagenfreiheit und gibt gelegentlich – ungewollt – deutliche Rückmeldung! Zudem weist das Bike ein relativ hohes Eigengewicht von weit mehr als 200 kg auf. Da haben die 130 – 140 PS ganz schön was zu ziehen! Durch den Hubraum von 1200 ccm liefert der Boxer bereits im unteren Drehzahlbereich ein sattes Drehmoment, das speziell im Kurvenausgang Vorteile bringt. Dieses Gesamtpaket ist schon speziell und erfordert durchaus fahrerisches Geschick.

2017 schließt Du als Gesamtdritter in der Sprint-Wertung ab – wie auch 2016.
Dass ich Dritter werde, war nicht unbedingt von vornherein klar. Ein Rookie aus dem vergangenen Jahr ließ sehr schnell erkennen, dass er sich auf einer steilen Lernkurve befindet. Zudem waren der letztjährige Meister und Vizemeister so dominant, dass auch Top-Leistungen im Jahr 2017 zu erwarten waren. Mit meinem Teamkollegen Bruno Matias konnte ich den Titel in der Langstreckenwertung einfahren, was das Gesamtergebnis 2017 noch abrundet.

Wie kann man den BMW Boxcercup hautnah erleben?
Selbstverständlich sind alle, die mich mit Sportsponsoring unterstützen möchten, wie beispielsweise die Buchen Group, immer eingeladen, an der Rennstrecke dabei zu sein. Das sind beispielsweise Privatpersonen oder Unternehmer, die dann wiederum ihren Kunden einen erlebnisreichen Tag mit Adrenalin und Gänsehaut bieten können. Bei uns ist der Vorteil, dass jeder bis in die Box darf und ganz nah die Abläufe erleben kann.

Noch sechs Monate bis Du wieder ins Rennen gehen kannst. Was wünscht Du Dir für die neue Saison?
Ich würde mich freuen, wenn wir den ein oder anderen neuen Boxerfahrer für die Teilnahme am BMW Boxercup 2018 begeistern könnten. Zudem möchte ich weiterhin im Rahmen von GA Promotion fahren. Wir sind wie eine große Familie, in der jeder ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu den anderen Fahrern hat, marken- und klassenübergreifend. Vielleicht ist 2018 wieder Oschersleben im Rennkalender, die Strecke ist sehr reizvoll. Eines steht fest, die Trauerphase beginnt bereits jetzt, da es noch viel zu lange bis April 2018 dauert.

Vielen Dank für dieses Interview, robbox, und durchhalten! Jede Winterpause geht einmal vorbei.

Gesamtwertung BMW Boxercup 2017 (Top 5):
1 Klaus Hesslinger 207 Punkte
2 Andreas Grimm 151
3 Robert Liebfart 138
4 Bruno Matias 113
5 Bernd Reichhuber 100

Rennkalender 2017 BMW Boxercup:
22./23.04.2017 Pannonia Ring (HU) 4. / 4. Platz für robbox
19.-21.05.2017 Brünn (CZ) 3. / 3.
09.-11.06.2017 Hungaroring (HU) 5. / 3.
04./05.08.2017 Red Bull Ring – Spielberg (AT) 6. / 6.
25.-27.08.2017 Rijeka (HR) 2. / 4.
15.-17.09.2017 Slovakiaring (SK) 2. / kein 2. Rennen wg. Starkregen

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